Maschallah-Podcast

ein rea­lis­ti­sches Bild von Mus­li­men zei­gen

Foto: Deezer

Ein Porsche-Manager erzählt von seiner Arbeit der Jungen Union, eine Veganerin berichtet von ihrem Engagement gegen Massentierhaltung: Schon in den ersten beiden Folgen des neuen »Maschallah«-Podcast wird klar, dass hier ein anderer Blick auf Muslime geworfen werden soll als es in vielen Medien üblich ist. Dahinter steckt die Journalistin Merve Kayikci, die einige vielleicht von ihrem Blog »Primamuslima« oder ihrem gleichnamigen Twitter-Account kennen. Unterstützt wird sie von der Autorin und Macherin des Lila-Podcasts Katrin Rönicke . Mit ihrer Idee, die muslimische Community einmal in ihren ganzen Vielfalt und abseits der Klischees zu zeigen, haben beide sich bei einem Podcast-Wettbewerb gegen 200 Bewerber durchgesetzt. Seit vergangener Woche sind die ersten Folgen online.

Ein Interview mit Merve Kayikci

In deinem Podcast »Maschallah« triffst du dich mit muslimischen Menschen in Deutschland. Haben wir nicht schon genug Berichterstattung über Islam und Muslime?

Ich mache ja keine Islamberichterstattung. Maschallah ist ein Lebenswelten-Podcast, in dem es darum geht, die Sichtweise und Lebenswelten von Muslimen zu zeigen. Mir ist es wichtig, dass es dabei nicht um meine Perspektive geht, sondern die Perspektive meiner Gäste. Wir haben uns sehr unterschiedliche Gäste ausgesucht, um zu zeigen, wie vielfältig Muslime in Deutschland sind und, dass es es sie in allen allen gesellschaftlichen Schichten gibt. Ich möchte ein möglichst breites Bild übertragen, einen Querschnitt durch die muslimische Gesellschaft in Deutschland.

Machen andere Medien das nicht?

Muslime kommen in der Medienlandschaft nur beschränkt vor und oft können sich nur zu bestimmten Themen äußern: zum Beispiel in der Kopftuchdebatte oder wenn es um Beschneidung geht - also meistens zu irgendwelchen Verboten oder Einschränkungen. Wenn Muslime sich in der gesellschaftlichen Debatte zu ihrem jeweiligen Fachbereich äußern, wird meist versteckt, dass es Muslime sind. Ein Straftäter wird schon mal als muslimischer Straftäter gezeigt aber bei einer Ärztin spielt das keine Rolle. Wir wollten dem Publikum auch zeigen, dass Muslime nicht nur Muslime sind. Sie bringen sich in alle in allen Bereichen in die Gesellschaft ein und haben ein ganz normales Leben: ob in der Wirtschaft, der Politik oder als Food-Aktivistin. Der Podcast soll aber auch kein PR-Projekt sein, um Muslime gut darzustellen. Wir wollen ein ein realistisches Bild von Muslimen zeigen. Wir haben nicht vor die besten und integriertesten Muslim zu finden, sondern einfach Muslime, die aus ihrer Perspektive heraus einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Was hat es eigentlich mit dem Namen deines Podcasts »Maschallah« auf sich?

Maschallah ist ein Ausdruck der Freude aber auch ein Begriff, der bezeichnet, dass etwas mit Gottes Segen so ist wie es ist. Gleichzeitig hat er viele Bedeutungen und kann in vielen Kontexten genutzt werden. Jeder benutzt es auch anders. Unsere Gäste haben alle unterschiedlich auf die Frage geantwortet, wann sie Maschallah sagen. Die Ärztin sagt es zum Beispiel, wenn eine Operation gut gelaufen ist. Die Mutter sagt es, als ihr Kind gelernt hat, wie man schreibt und liest. Genauso vielfältig wie dieser Begriff sind auch die Muslime. Der Name soll zeigen, dass wir stolz sind auf die Vielfalt unserer Community.

Dein Podcast kam über einen Wettbewerb zu Stande. Kannst du darüber etwas erzählen?

Das war ein Wettbewerb von der re:publica. Die haben nach Podcast-Ideen gefragt, die es noch nicht gibt. Da haben wir gedacht, diese Idee müssen wir auf jeden Fall einreichen. Nicht nur die Jury, die uns in die Shortlist aufgenommen hat, fand unsere Podcast-Idee wichtig und bereichernd. Wir haben auch Publikumsvoting gewonnen.

In einem Interview hattest du einmal gesagt, dass du auch gezielt auf der Suche nach männlichen Gästen bist. In vielen Medien sind sonst immer Frauen unter präsentiert. Hast du eine Erklärung, warum das bei dir andersherum ist?

Der Grund, warum es schwierig war muslimische Interviewpartner zu finden, ist dass sich in Deutschland mehrheitlich muslimische Frauen im gesellschaftlichen Diskurs engagieren. Wir wollten aber einen Querschnitt der Community zeigen und uns vor dem Vorwand schützen, dass wir nur Frauen interviewen. Es leben ja auch muslimische Männer in Deutschland. Die leiden auch stark unter Stereotypen: Viele denken bei muslimischen Männern an Vollbart, Gewalt und Patriarchat.

Vier Folgen sind vom Podcast bisher erschienen. Wie war das Feedback bisher?

Sehr positiv. Wir haben bisher kaum Kritik bekommen. Meine Sorge war, dass sich manche Muslime nicht widergespiegelt fühlen, weil der Islam in Deutschland noch facettenreicher ist als wir in den bisher produzierten sechs Folgen abbilden können. Aber die brauchen sich keine Sorgen machen. Wenn sich ein muslimischer Mensch nicht mit unseren Gästen identifizierten kann, hoffen wir, dass wir noch viele andere Gäste interviewen und er da bestimmt auch jemanden findet, mit dem er sich identifizieren kann. Ich plane jetzt schon eine zweite Staffel.

Kannst du schon verraten, worum es in den nächsten Folgen gehen wird?

Ja. In der nächsten Folge haben wir Nariman Hammouti-Reinke, eine Bundeswehrsoldatin, die ein Buch darüber geschrieben hat, wie sich die Bundeswehr hinsichtlich Muslimen verändern muss und auch über ihre Rolle als muslimische Frau in der Bundeswehr. Wir haben mit Ali Ghandour geredet – über sein Buch »Liebe, Sex und Allah« und andere heikle Sachen. Wir haben mit der Politikerin Sawsan Chebli gesprochen, die auch Muslimin ist. Und wir haben eine Ärztin zu Gast, die die als erste Ärztin ein künstliches Herz transplantiert hat und Ärztin des Jahres 2019 geworden ist.

 

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